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Bordausbildung

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Version vom 15. Februar 2026, 18:32 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
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Ausbildung Bordausbildung (Praktischer Dienst)
Die Bordausbildung war der entscheidende praktische Filter zwischen der Theorie an Land und dem Dienst auf Kampfschiffen oder U-Booten. Sie diente dazu, aus dem "Landratten-Rekruten" einen seefesten Soldaten zu formen und schloss sich unmittelbar an die infanteristische Grundausbildung an.
Historischer Kontext & Organisation
Friedensmäßige Ausbildung: In Friedenszeiten begann die Bordausbildung für Offizieranwärter obligatorisch auf Segelschulschiffen (z. B. Gorch Fock oder Horst Wessel) zur Schulung des "Seegefühls", gefolgt von einer mehrmonatigen Weltreise auf einem Leichten Kreuzer (z. B. Emden).
Umbruch durch Kriegsbeginn: Ab September 1939 wurden diese "Botschafter-Fahrten" durch Front-Bordkommandos ersetzt. Anstatt ferner Häfen hieß es nun: Dienst auf Minensuchern, Vorpostenbooten oder Zerstörern in Nord- und Ostsee, um das Handwerk direkt im Gefecht zu erlernen.
Die Crew 1938: Dieser Jahrgang war als erster massiv vom Kriegsausbruch betroffen. Ihre Ausbildung wurde beschleunigt; anstatt auf Segelschiffen theoretische Seemannschaft zu lernen, wurden sie bereits 1939 auf Einheiten der Flotte eingesetzt, um früher die Seeoffizier-Hauptprüfung in Mürwik ablegen zu können.
Gliederung der praktischen Ausbildungsphasen
Segelschulschiff-Zeit: Die "Härteprobe" im Rigg. Körperliche Ertüchtigung und Teamarbeit unter extremen Bedingungen. Ab 1940 entfiel diese Phase fast völlig oder wurde auf kurze Kurse in der Ostsee begrenzt.
Front-Bordkommando: Praktische Navigation, Wachdienst und Maschinenkunde auf aktiven Kriegsschiffen. Mannschaften und Unteroffiziere durchliefen hier die "Mutter-Tochter-Ausbildung" (Lernen vom erfahrenen Obermaschinisten/Maat).
U-Boot-Schulausbildung: Speziell für angehende U-Boot-Fahrer folgten nach den Theorielehrgängen die „Fangfahrten“ auf Schulbooten (Typ II / VII). Hier wurde das Tauchen, Trimmen und der Angriff mit Übungstorpedos gedrillt.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Selektion: Die Bordausbildung diente als letzte Prüfung der U-Boot-Tauglichkeit. Nur wer in der Enge und unter dem psychischen Druck der Übungsfahrten bestand, wurde auf ein Frontboot versetzt.
Gefechtsbereitschaft: Durch das ständige Rollenexerzieren auf den Schulbooten wurde sichergestellt, dass die Besatzungen bei der Übernahme eines Neubaus (Baubelehrung) bereits als eingespielte Einheit agieren konnten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 92 Kriegstagebücher (KTB) der Schul-Unterseeboote. Dokumentiert die Durchführung der Fangfahrten und Tauchübungen in der Ostsee.
BArch RM 123 Akten der U-Boot-Ausbildungsabteilungen (U.A.A.). Enthält die geänderten Ausbildungsrichtlinien für die Crewjahrgänge ab 1938.
BArch PERS 6 Personalakten der Marineoffiziere. Nachweise über die verkürzten Bordkommandos und die vorgezogenen Hauptprüfungen während der Kriegsjahre.
Literaturverweise
Merten, Karl-Friedrich "Nach Kompass: Lebenserinnerungen eines Seeoffiziers" (Detaillierte Schilderung der Bordausbildung auf Segelschiffen).
Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim "Der U-Boot-Krieg 1939-1945" (Informationen zum beschleunigten Werdegang der Kriegs-Crews).
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Ausbildungswesen).
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