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Artillerielehrgang

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Datenblatt Artillerielehrgang
In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine war der Artillerielehrgang die zentrale Fachausbildung für Offiziere und Unteroffiziere, um sie in der Feuerleitung, Ballistik und Waffenmechanik der verschiedenen Schiffsgeschütze zu schulen.
Inhalte und Schwerpunkte
Die Ausbildung umfasste sowohl theoretische als auch praktische Komponenten. In der Theorie wurden Mathematik, Ballistik und die Funktionsweise von optischen Entfernungsmessern gelehrt. In der Praxis stand der Dienst am Geschütz, die Behebung von Ladehemmungen und das Schießen auf Seeziele im Vordergrund. Während in der Reichsmarine aufgrund der personellen Beschränkungen eine extrem breite Ausbildung an allen Kalibern (von der Flak bis zur schweren Artillerie) stattfand, spezialisierten sich die Lehrgänge in der Kriegsmarine zunehmend auf spezifische Waffensysteme.
Stellung in der Laufbahn
Der Lehrgang fand meist an der Marineartillerieschule (beispielsweise in Kiel-Wik oder Saßnitz) statt. Der erfolgreiche Abschluss wurde als Fachqualifikation in der Personalakte (Bestand Pers 6) dokumentiert. Er bildete die Grundlage für die Beförderung zum Unteroffizier (Maat/Obermaat) in der Artillerielaufbahn oder war Baustein der Seeoffiziersausbildung der Fähnrichskompanie.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
An Bord von U-Booten war das Verständnis der Artillerie für den Handelskrieg und die Flugabwehr entscheidend.
Wachoffiziersausbildung: Für künftige Wachoffiziere war ein spezieller Artillerielehrgang obligatorisch. Sie lernten die Leitung des Feuers der Deckskanone und der Flugabwehrbewaffnung (Flak). Ein Offizier, der diesen Lehrgang absolviert hatte, fungierte an Bord oft als Artillerieoffizier.
Flak-Abwehr: Mit zunehmender Luftbedrohung konzentrierte sich die Ausbildung für U-Boot-Personal auf die Flugzeugerkennung und die effiziente Nutzung der 2 cm- und 3,7 cm-Flak. Das Personal lernte, die Daten der 1. Marine-Nachrichtenabteilung über feindliche Flugbewegungen taktisch in die eigene Verteidigung einzubeziehen.
Personalreserve: Absolventen des Lehrgangs, insbesondere erfahrene Obermatrosen der Artillerielaufbahn, bildeten in der Personalreserve den Kader für die Besetzung neuer Einheiten während der Baubelehrung. Sie stellten sicher, dass das Boot sofort nach der Indienststellung über eine gefechtsbereite Geschützbedienung verfügte.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften der Schiffsartillerieschulen (SAS) über die Durchführung der Fachlehrgänge
BArch RM 3 / 1024 Berichte des OKM über die Ausbildungskapazitäten und Schießergebnisse an den Artillerieschulen
BArch RM 121 / 642 Personalstammrollen der Fachschulen mit Nachweisen über die Teilnahme an Artillerielehrgängen
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur Organisation der Waffenschulen und Fachlehrgänge auf Lexikon der Wehrmacht)
Harnack, Wolfgang: Die Verteidigung der Küsten (Details zur Infrastruktur der Marineartillerie und Flak auf Historisches Marinearchiv)
Hildebrand, Hans H.: Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien (Kontext zur Bedeutung der Artillerie für die operative Schlagkraft der Einheiten auf Historisches Marinearchiv)
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