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Kommandanten-Schießlehrgang

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Version vom 15. Februar 2026, 18:08 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
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Ausbildung Kommandanten-Schießlehrgang (U-K-L)
Der Kommandanten-Schießlehrgang war das Herzstück der praktischen Ausbildung für angehende Unterseeboot-Kommandanten. Während der allgemeine Lehrgang Theorie und Verwaltung behandelte, konzentrierte sich dieser Kurs rein auf das handwerkliche Geschick und den Jagdinstinkt beim Torpedorangriff. Er war die finale Hürde vor der Übernahme eines eigenen Bootes.
Phasen der Ausbildung
Phase 1: Stand-Angriffsapparat Die erste Woche im Lehrsaal. Am Simulator (Optik-Gerät) wurden hunderte Anläufe geübt. Der Offizier musste unter Zeitdruck Lagewinkel und Entfernung schätzen, um die Zusammenarbeit mit der Zentrale im Trockentraining zu perfektionieren.
Phase 2: Praktische Schießtage Mehrwöchiger Dienst auf See, primär bei der 24. U-Flottille in Memel. Es mussten 10 bis 15 scharfe Schüsse mit Übungstorpedos auf Zielschiffe abgegeben werden, wobei der Schwierigkeitsgrad bis hin zu gesicherten Zick-Zack-Verbänden gesteigert wurde.
Phase 3: Nacht- und Sonderschießen Fokus auf den Überwasser-Nachtangriff. Schulung der Zielansprache per Deckszielgerät (UZO) am Horizont sowie Training von sofortigen Ausweichmanövern nach dem Schuss bei schwerer See.
Das General-Schießen (Abschlussprüfung)
Das Szenario: Unerbittlicher Höhepunkt der Ausbildung. Der Prüfling musste über 24 Stunden hinweg unter physischer Erschöpfung einen stark gesicherten Verband eigenständig suchen, finden und angreifen, ohne entdeckt zu werden.
Die Kriterien: Bewertet wurden die Angriffstaktik (Sehrohrdisziplin), die Entschlusskraft bei Gegenangriffen sowie die Präzision der Befehlsgebung an die Besatzung.
Konsequenzen: Wer die Trefferquote nicht erreichte oder zögerlich agierte, galt als nicht kommandantenfähig. Diese Offiziere kehrten meist als I. W.O. zur Front zurück oder wurden in Stabsfunktionen versetzt.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Handwerkliche Perfektion: Der Lehrgang stellte sicher, dass die Kommandanten das Boot als Waffe begriffen. Die tägliche, schonungslose Manöverkritik durch erfahrene Frontoffiziere garantierte ein Höchstmaß an taktischer Sicherheit.
Personalhistorie: In den Stammrollen markiert der erfolgreiche Abschluss des Schießlehrgangs die endgültige Befähigung zum Frontkommandanten. Besonders für die Crews 37 und 38 war dieser Lehrgang trotz kriegsbedingter Straffung die entscheidende Auslese.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der 24. U-Flottille (Memel). Enthält Schießprotokolle und Beurteilungen aus den Kommandanten-Schießlehrgängen.
BArch RM 7 Unterlagen der Seekriegsleitung zur taktischen Auswertung der Ausbildungsergebnisse in der Ostsee.
BArch PERS 6 Personalunterlagen der Seeoffiziere mit Vermerk über das bestandene "General-Schießen".
Literaturverweise
Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim "Der U-Boot-Krieg 1939-1945: Die deutschen U-Boot-Kommandanten" (Details zum Werdegang und den Schießausbildungen).
Rössler, Eberhard "Die Torpedos der deutschen U-Boote" (Informationen zum Schießwesen und den Simulatoren).
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zur taktischen Ausbildung).
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