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Kommandant: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Der Kommandant trug die uneingeschränkte Verantwortung für Schiff und Besatzung. Er war die zentrale Figur an Bord, deren taktisches Geschick, Nervenstärke und Menschenführung über Erfolg und Untergang der Einheit entschieden. Auf engstem Raum war er nicht nur militärischer Führer, sondern auch der psychologische Anker für seine oft sehr junge Besatzung.
 
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| Voraussetzungen: || colspan="3" | Die meisten Kommandanten stammten aus den aktiven Offiziersjahrgängen (Crews). Nach der Bewährung als [[I. Wachoffizier]] mussten sie den [[Kommandanten-Lehrgang]] sowie einen [[Kommandanten-Schießlehrgang]] (z. B. bei der [[2. U-Lehrdivision]]) erfolgreich absolvieren.
 
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| colspan="3" | Anfang: Die Dienststellung wurde mit der Indienststellung der jeweiligen Kleinkampf- oder Sicherungsfahrzeuge besetzt. In der Sicherungsstreitkräfte-Struktur ab 1939 stieg der Bedarf an Bootkommandanten massiv an.
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| Status & Hierarchie: || colspan="3" | Im Gegensatz zu Großkampfschiffen führte der Bootkommandant Einheiten mit flacherer Hierarchie und geringerer Besatzungsstärke (oft 10 bis 30 Mann). Die Dienststellung wurde mit der Indienststellung der jeweiligen Kleinkampf- oder Sicherungsfahrzeuge besetzt.
 
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| colspan="3" | Status: Im Gegensatz zum Kommandanten eines Kriegsschiffes (z. B. Zerstörer oder Kreuzer) führte der Bootkommandant Einheiten, auf denen die Hierarchie flacher und die Besatzungsstärke geringer war (oft 10 bis 30 Mann).
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| Disziplinargewalt: || colspan="3" | Der Kommandant besaß die volle Strafgewalt an Bord gemäß der Marine-Dienstvorschrift (M.Dv.) Nummer 293. Er war zudem für die Vorschläge zur Verleihung von Orden an seine Männer verantwortlich.
 
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| colspan="3" | Die meisten Kommandanten stammten aus den aktiven Offiziersjahrgängen (Crews). Sie mussten nach ihrer Zeit als [[Oberleutnant zur See]] und der Bewährung als [[I. Wachoffizier]] den [[Kommandanten-Lehrgang]] sowie einen [[Kommandanten-Schießlehrgang]] bei der [[2. U-Lehrdivision]] erfolgreich absolvieren.
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| colspan="3" | Im Einsatz war der Kommandant der einzige, der durch das Sehrohr blickte. Er wertete die Daten der Navigations-Belehrungsfahrt und die Meldungen aus dem Ortungslehrgang aus, um den Angriffsbefehl zu geben. Besonders auf dem Typ XXI musste er lernen, sich rein auf elektronische und akustische Lagemeldungen zu verlassen.
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| colspan="3" | Er besaß die volle Strafgewalt an Bord gemäß der Marine-Dienstvorschrift Nummer 293. Auf engstem Raum war er nicht nur militärischer Führer, sondern auch psychologischer Anker für die oft sehr junge Besatzung.
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| Gefechtsführung: || colspan="3" | Im Einsatz war der Kommandant der einzige, der durch das Sehrohr blickte. Er wertete Navigationsdaten und Ortungsmeldungen aus, um den Angriffsbefehl zu geben. Beim Typ XXI musste er lernen, sich rein auf elektronische und akustische Lagemeldungen zu verlassen.
 
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| Berichterstattung: || colspan="3" | Nach der Feindfahrt rechtfertigte er den Einsatzbericht (Kriegstagebuch) gegenüber dem Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.). Seine Dokumentation bildete die Basis für die taktische Auswertung des gesamten Seekrieges.
 
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| colspan="3" | Nach einer erfolgreichen Feindfahrt war er die Person, die gegenüber dem Befehlshaber der Unterseeboote den Einsatzbericht (das Kriegstagebuch) rechtfertigte. Er war zudem für die Vorschläge zur Verleihung von Orden an seine Männer verantwortlich.
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| colspan="3" | Führungselite: Die Kommandanten bildeten das Rückgrat der U-Boot-Waffe. Ihr taktisches Geschick, ihre Nervenstärke und ihre Menschenführung entschieden über Erfolg oder Untergang des Bootes.
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| Führungselite: || colspan="3" | Die Kommandanten bildeten das Rückgrat der Waffe. Fast jeder (wie Hans Buscher oder Johann Buttjer) hatte zuvor die harte Schule als I. W.O. auf einem Frontboot und die Zeit als Fahrschüler absolviert.
 
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| colspan="3" | Qualifikationsweg: Fast jeder Kommandant (wie Hans Buscher oder Johann Buttjer) hatte zuvor die harte Schule als I. Wachoffizier auf einem Frontboot und die Zeit als Fahrschüler absolviert.
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| Personalhistorie: || colspan="3" | In den Stammrollen markiert die Ernennung zum Kommandanten den Gipfel der bordseitigen Laufbahn. Viele wurden aufgrund ihrer Erfolge (versenkte Tonnage) mit hohen Auszeichnungen wie dem Ritterkreuz geehrt. Dies galt analog auch für Kommandanten in den Torpedoboots- und Minensuchverbänden.
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| colspan="3" | Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) markiert die Ernennung zum Kommandanten den Gipfel der bordseitigen Laufbahn. Viele Kommandanten wurden aufgrund ihrer Erfolge (versenkte Tonnage) mit hohen Tapferkeitsauszeichnungen (Ritterkreuz) geehrt.
 
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
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| BArch RM 3 / 1024 || colspan="3" | Dienstvorschriften über die Befugnisse und Pflichten der U-Boot-Kommandanten.
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| BArch RM 121 / 642 || colspan="3" | Personalbestimmungen und Bestallungsurkunden für Bootkommandanten der Kriegsmarine (Enthält Richtlinien zur Strafgewalt und Führung).
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Seeoffiziere (Dokumentiert den Werdegang vom Wachoffizier über den Schießlehrgang bis zur Kommandierung als Kommandant).
 
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| BArch RM 20 / 885 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur Beurteilung der Kommandanten nach ihren Feindfahrten.
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| BArch RM 92 || colspan="3" | Kriegstagebücher (KTB) der Unterseeboote und Sicherungsfahrzeuge (Gezeichnet und verantwortet durch den jeweiligen Kommandanten).
 
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| Hessler, Günter || colspan="3" | The U-Boat War in the Atlantic. (Zentrale Analyse der Führungsleistung der Kommandanten während der Atlantikschlacht).
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| Busch / Röll || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". Band 1: "Die deutschen U-Boot-Kommandanten" (Umfassendes biografisches Werk über die Lebensläufe und Erfolge der Kommandanten).
 
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| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band III, zur systematischen Übersicht der Kommandantenstellen und deren Besetzung).
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Systematische Darstellung der Rangordnung, Befehlsgewalt und der personellen Struktur).
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| Merten, Karl-Friedrich || colspan="3" | "Nach Kompass. Lebenserinnerungen eines Seeoffiziers" (Persönliche Einblicke in die Last der Verantwortung und die Menschenführung als Kommandant).
 
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Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 18:30 Uhr

Dienststellung Kommandant
Der Kommandant trug die uneingeschränkte Verantwortung für Schiff und Besatzung. Er war die zentrale Figur an Bord, deren taktisches Geschick, Nervenstärke und Menschenführung über Erfolg und Untergang der Einheit entschieden. Auf engstem Raum war er nicht nur militärischer Führer, sondern auch der psychologische Anker für seine oft sehr junge Besatzung.
Historischer Kontext & Organisation
Voraussetzungen: Die meisten Kommandanten stammten aus den aktiven Offiziersjahrgängen (Crews). Nach der Bewährung als I. Wachoffizier mussten sie den Kommandanten-Lehrgang sowie einen Kommandanten-Schießlehrgang (z. B. bei der 2. U-Lehrdivision) erfolgreich absolvieren.
Status & Hierarchie: Im Gegensatz zu Großkampfschiffen führte der Bootkommandant Einheiten mit flacherer Hierarchie und geringerer Besatzungsstärke (oft 10 bis 30 Mann). Die Dienststellung wurde mit der Indienststellung der jeweiligen Kleinkampf- oder Sicherungsfahrzeuge besetzt.
Disziplinargewalt: Der Kommandant besaß die volle Strafgewalt an Bord gemäß der Marine-Dienstvorschrift (M.Dv.) Nummer 293. Er war zudem für die Vorschläge zur Verleihung von Orden an seine Männer verantwortlich.
Taktische Führung & Repräsentation
Gefechtsführung: Im Einsatz war der Kommandant der einzige, der durch das Sehrohr blickte. Er wertete Navigationsdaten und Ortungsmeldungen aus, um den Angriffsbefehl zu geben. Beim Typ XXI musste er lernen, sich rein auf elektronische und akustische Lagemeldungen zu verlassen.
Berichterstattung: Nach der Feindfahrt rechtfertigte er den Einsatzbericht (Kriegstagebuch) gegenüber dem Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.). Seine Dokumentation bildete die Basis für die taktische Auswertung des gesamten Seekrieges.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Führungselite: Die Kommandanten bildeten das Rückgrat der Waffe. Fast jeder (wie Hans Buscher oder Johann Buttjer) hatte zuvor die harte Schule als I. W.O. auf einem Frontboot und die Zeit als Fahrschüler absolviert.
Personalhistorie: In den Stammrollen markiert die Ernennung zum Kommandanten den Gipfel der bordseitigen Laufbahn. Viele wurden aufgrund ihrer Erfolge (versenkte Tonnage) mit hohen Auszeichnungen wie dem Ritterkreuz geehrt. Dies galt analog auch für Kommandanten in den Torpedoboots- und Minensuchverbänden.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 642 Personalbestimmungen und Bestallungsurkunden für Bootkommandanten der Kriegsmarine (Enthält Richtlinien zur Strafgewalt und Führung).
BArch PERS 6 Personalakten der Seeoffiziere (Dokumentiert den Werdegang vom Wachoffizier über den Schießlehrgang bis zur Kommandierung als Kommandant).
BArch RM 92 Kriegstagebücher (KTB) der Unterseeboote und Sicherungsfahrzeuge (Gezeichnet und verantwortet durch den jeweiligen Kommandanten).
Literaturverweise
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". Band 1: "Die deutschen U-Boot-Kommandanten" (Umfassendes biografisches Werk über die Lebensläufe und Erfolge der Kommandanten).
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Systematische Darstellung der Rangordnung, Befehlsgewalt und der personellen Struktur).
Merten, Karl-Friedrich "Nach Kompass. Lebenserinnerungen eines Seeoffiziers" (Persönliche Einblicke in die Last der Verantwortung und die Menschenführung als Kommandant).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132