Aktionen

Zur Verfügung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
Zeile 8: Zeile 8:
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt:
+
! Personalwesen
! '''Zur Verfügung'''
+
! '''Status: zur Verfügung (z. V.)'''
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
Zeile 15: Zeile 15:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | In der Personalverwaltung der Kriegsmarine war die Bezeichnung zur Verfügung (oft als z. V. abgekürzt, ein spezifischer dienstrechtlicher Status für Offiziere und Unteroffiziere. Er beschrieb einen Übergangszustand, in dem ein Soldat keiner festen Front- oder Dienststelle zugeordnet war, aber für neue Aufgaben bereitgehalten wurde.
+
| colspan="3" | In der Personalverwaltung der Kriegsmarine war die Bezeichnung „zur Verfügung“ (oft als z. V. abgekürzt) ein spezifischer dienstrechtlicher Status für Offiziere und Unteroffiziere. Er beschrieb einen Übergangszustand, in dem ein Soldat keiner festen Front- oder Dienststelle zugeordnet war, aber für neue Aufgaben bereitgehalten wurde.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
Zeile 25: Zeile 25:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Anfang: Diese administrative Einstufung wurde mit der Aufstellung der Reichsmarine übernommen und blieb bis zum Kriegsende im Mai 1945 bestehen.
+
| Definition des Status: || colspan="3" | Diese administrative Einstufung wurde von der Reichsmarine übernommen und blieb bis Mai 1945 bestehen. Erhielt ein Soldat diesen Vermerk, war er von seinem bisherigen Kommando entbunden und gehörte dem Personalpool einer übergeordneten Dienststelle (z. B. Station Ostsee oder B.d.U.) an.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Definition des Status:
+
| Typische Situationen: || colspan="3" | Der Status trat häufig beim Wechsel der Einsatzart oder während der Ausbildung auf, etwa zwischen dem Abschluss eines Fachlehrgangs und dem Beginn einer Baubelehrung. Auch während der Genesung nach einer Verwundung wurden Soldaten oft „z. V.“ der jeweiligen Marinestation gestellt, bis sie wieder voll einsatzfähig waren.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Wenn ein Offizier den Vermerk zur Verfügung in seinen Personalpapieren erhielt, bedeutete dies, dass er von seinem bisherigen Kommando entbunden war und nun dem Personalpool einer übergeordneten Dienststelle angehörte. Er stand dieser Dienststelle für eine neue Verwendung unmittelbar bereit. Dies konnte zum Beispiel die Station Ostsee in Kiel oder der Befehlshaber der Unterseeboote sein.
+
| Besoldung und Recht: || colspan="3" | Ein Soldat im Status „z. V.“ blieb im vollen Genuss seiner Bezüge und unterlag der Disziplinargewalt der aufnehmenden Dienststelle. Er war verpflichtet, sich ständig für neue Marschbefehle erreichbar zu halten.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Typische Situationen für diesen Status:
+
| ||
|-
 
| colspan="3" | Dieser Status trat häufig während der Ausbildung oder bei einem Wechsel der Einsatzart auf. Ein klassisches Beispiel ist die Zeit zwischen dem Abschluss eines Fachlehrgangs, wie dem Nachrichtenlehrgang, und dem Beginn der Baubelehrung für ein neues Unterseeboot. Auch nach einer Verwundung oder während der Genesungszeit wurden Soldaten oft zur Verfügung der jeweiligen Marinestation gestellt, bis sie wieder voll einsatzfähig waren und ein neues festes Bordkommando erhielten.
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Besonderheit bei den Unterseeboot-Lehrdivisionen:
+
! colspan="3" | Besonderheit bei den U-Lehrdivisionen
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | In Ihrem Recherchekontext zur 1. Unterseeboot-Lehrdivision oder 2. Unterseeboot-Lehrdivision taucht dieser Begriff oft auf, wenn Besatzungen neu zusammengestellt wurden. Die Männer wurden zunächst zur Verfügung der Lehrdivision gestellt, dort gesammelt und erst mit der Formierung einer festen Bootsbesatzung wieder in ein festes Dienstverhältnis (das sogenannte Bordkommando) überführt. Während dieser Zeit konnten sie für kurzfristige Aufgaben, Vertretungen oder zusätzliche Lehrgänge herangezogen werden.
+
| Personalformierung: || colspan="3" | In den Unterseeboot-Lehrdivisionen (1. U.L.D. / 2. U.L.D.) taucht dieser Begriff oft bei der Neuzusammenstellung von Besatzungen auf. Männer wurden dort gesammelt und erst mit der Formierung einer festen Bootsbesatzung (Bordkommando) wieder in ein festes Dienstverhältnis überführt.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Besoldung und Disziplinarrecht:
+
| Kurzfristige Aufgaben: || colspan="3" | Während dieser Zeit konnten die Soldaten für Vertretungen, zusätzliche Lehrgänge oder kurzfristige Arbeitskommandos innerhalb der Lehrdivision herangezogen werden.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Ein Soldat im Status zur Verfügung blieb im vollen Genuss seiner Bezüge und unterlag weiterhin der Disziplinargewalt der Dienststelle, der er zur Verfügung gestellt worden war. Er war verpflichtet, sich ständig erreichbar zu halten, um Marschbefehle für neue Kommandierungen unverzüglich entgegennehmen zu können.
+
| ||
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Personalreserve: Die Dienststellen des 2. Admirals der Unterseeboote (2. A.d.U.) führten Listen von Offizieren „z. V.“, um Verluste an der Front kurzfristig durch qualifizierten Ersatz ausgleichen zu können.
+
| ||
 +
|-
 +
| Personalreserve: || colspan="3" | Die Dienststellen des 2. Admirals der Unterseeboote (2. A.d.U.) führten Listen von Offizieren „z. V.“, um Frontverluste kurzfristig durch qualifizierten Ersatz ausgleichen zu können.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Vorbereitung: Kommandanten wie Hans Buscher oder Dietrich von Carlowitz waren oft „z. V. der U-Boot-Abnahmekommission (U.A.K.)“ gemeldet, während ihr zukünftiges Boot auf der Werft fertiggestellt wurde.
+
| Baubelehrung: || colspan="3" | Kommandanten waren oft „z. V. der U-Boot-Abnahmekommission (U.A.K.)“ gemeldet, während ihr zukünftiges Boot auf der Werft (z. B. Deschimag oder Germaniawerft) fertiggestellt wurde.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen kennzeichnet dieser Status meist eine Umbruchphase in der Karriere, etwa den Wechsel von der Überwasserflotte zur U-Boot-Waffe.
+
| Personalhistorie: || colspan="3" | In den Stammrollen kennzeichnet dieser Status meist eine Umbruchphase in der Karriere, etwa den Wechsel von der Überwasserflotte zur U-Boot-Waffe oder die Wartezeit auf ein neues Kommando nach dem Verlust des alten Bootes.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
+
! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
|-
 
|-
 
| ||  
 
| ||  
 
|-
 
|-
| BArch RM 3 / 1024 || colspan="3" | Dienstvorschriften über die Personalbewirtschaftung und die Verwendung von Offizieren „zur Verfügung“.
+
| BArch RM 7 || colspan="3" | Akten der Seekriegsleitung (Skl). Beinhaltet Richtlinien zur Personalbewirtschaftung und zur Verwendung von Offizieren „zur Verfügung“.
 
|-
 
|-
| BArch RM 121 / 162 || colspan="3" | Bestimmungen der Marinestationen zur Unterbringung und disziplinarischen Führung von Personal „z. V.“.
+
| BArch RM 92 || colspan="3" | Unterlagen des 2. Admirals der Unterseeboote (2. A.d.U.) zur Verwaltung der Personalreserve und der Kommandierungen z. V.
 
|-
 
|-
| BArch RM 20 / 885 || colspan="3" | Unterlagen des 2. Admirals der Unterseeboote, die die Zuweisung von Reservepersonal aus dem Status „z. V.“ zu den Flottillen dokumentieren.
+
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die individuellen Phasen „z. V.“ im Rahmen der militärischen Dienstlaufbahnen.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
Zeile 76: Zeile 75:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band III, Kapitel zur Personalorganisation und den Dienststellungsbezeichnungen).
+
| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Personal- und Gebührniswesen).
 
|-
 
|-
| Hessler, Günter || colspan="3" | The U-Boat War in the Atlantic. (Analysiert die Personalreserve-Politik der U-Boot-Waffe).
+
| Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945" (Informationen zur personellen Ergänzung der Frontflottillen).
 
|-  
 
|-  
| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien. (Bietet Kontext zu Karriereverläufen und Wartezeiten zwischen den Kommandos).
+
| Tessin, Georg || colspan="3" | "Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS" (Band 14, Übersicht über die administrativen Strukturen der Marine).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 
|-
 
|-
 
! colspan="3" |
 
! colspan="3" |
Zeile 90: Zeile 89:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
|-
 
|-
 
|}
 
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 17:54 Uhr

Personalwesen Status: zur Verfügung (z. V.)
In der Personalverwaltung der Kriegsmarine war die Bezeichnung „zur Verfügung“ (oft als z. V. abgekürzt) ein spezifischer dienstrechtlicher Status für Offiziere und Unteroffiziere. Er beschrieb einen Übergangszustand, in dem ein Soldat keiner festen Front- oder Dienststelle zugeordnet war, aber für neue Aufgaben bereitgehalten wurde.
Historischer Kontext & Organisation
Definition des Status: Diese administrative Einstufung wurde von der Reichsmarine übernommen und blieb bis Mai 1945 bestehen. Erhielt ein Soldat diesen Vermerk, war er von seinem bisherigen Kommando entbunden und gehörte dem Personalpool einer übergeordneten Dienststelle (z. B. Station Ostsee oder B.d.U.) an.
Typische Situationen: Der Status trat häufig beim Wechsel der Einsatzart oder während der Ausbildung auf, etwa zwischen dem Abschluss eines Fachlehrgangs und dem Beginn einer Baubelehrung. Auch während der Genesung nach einer Verwundung wurden Soldaten oft „z. V.“ der jeweiligen Marinestation gestellt, bis sie wieder voll einsatzfähig waren.
Besoldung und Recht: Ein Soldat im Status „z. V.“ blieb im vollen Genuss seiner Bezüge und unterlag der Disziplinargewalt der aufnehmenden Dienststelle. Er war verpflichtet, sich ständig für neue Marschbefehle erreichbar zu halten.
Besonderheit bei den U-Lehrdivisionen
Personalformierung: In den Unterseeboot-Lehrdivisionen (1. U.L.D. / 2. U.L.D.) taucht dieser Begriff oft bei der Neuzusammenstellung von Besatzungen auf. Männer wurden dort gesammelt und erst mit der Formierung einer festen Bootsbesatzung (Bordkommando) wieder in ein festes Dienstverhältnis überführt.
Kurzfristige Aufgaben: Während dieser Zeit konnten die Soldaten für Vertretungen, zusätzliche Lehrgänge oder kurzfristige Arbeitskommandos innerhalb der Lehrdivision herangezogen werden.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Personalreserve: Die Dienststellen des 2. Admirals der Unterseeboote (2. A.d.U.) führten Listen von Offizieren „z. V.“, um Frontverluste kurzfristig durch qualifizierten Ersatz ausgleichen zu können.
Baubelehrung: Kommandanten waren oft „z. V. der U-Boot-Abnahmekommission (U.A.K.)“ gemeldet, während ihr zukünftiges Boot auf der Werft (z. B. Deschimag oder Germaniawerft) fertiggestellt wurde.
Personalhistorie: In den Stammrollen kennzeichnet dieser Status meist eine Umbruchphase in der Karriere, etwa den Wechsel von der Überwasserflotte zur U-Boot-Waffe oder die Wartezeit auf ein neues Kommando nach dem Verlust des alten Bootes.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 7 Akten der Seekriegsleitung (Skl). Beinhaltet Richtlinien zur Personalbewirtschaftung und zur Verwendung von Offizieren „zur Verfügung“.
BArch RM 92 Unterlagen des 2. Admirals der Unterseeboote (2. A.d.U.) zur Verwaltung der Personalreserve und der Kommandierungen z. V.
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die individuellen Phasen „z. V.“ im Rahmen der militärischen Dienstlaufbahnen.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Personal- und Gebührniswesen).
Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim "Der U-Boot-Krieg 1939-1945" (Informationen zur personellen Ergänzung der Frontflottillen).
Tessin, Georg "Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS" (Band 14, Übersicht über die administrativen Strukturen der Marine).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132