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Steuermannsschule: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

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| || colspan="3" | !!! Bitte unbedingt die Anmerkungen beachten [[Anmerkungen für Kriegsschiffe|Klick hier → Anmerkungen für Kriegsschiffe]] !!!
  
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! Datenblatt
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! Ausbildung
! '''Steuermannsschule'''
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! '''Steuermannsschule der Kriegsmarine'''
 
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| colspan="3" | Die Steuermannsschule war die zentrale Ausbildungsstätte für das nautische Fachpersonal der Kriegsmarine, das nicht der Offizierslaufbahn angehörte. Hier wurden die Unteroffiziere mit Portepée (Feldwebel-Ränge) zu Experten für Navigation, Meteorologie und Schiffsführung ausgebildet.
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| colspan="3" | Die Steuermannsschule war die zentrale fachliche Ausbildungseinrichtung für das Navigationspersonal der Kriegsmarine. Sie diente der Schulung von Steuermannsmaaten und Obersteuermännern, die als nautische Experten für die sichere Kursführung der Schiffe und U-Boote verantwortlich waren.
 
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! colspan="3" | Standort und Organisation
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! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
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| colspan="3" | Der Hauptstandort der Steuermannsschule befand sich in Gotenhafen (bis zum Jahr 1939 und gegen Kriegsende auch teilweise in Swinemünde oder Leer). Die Schule unterstand der Inspektion des Bildungswesens der Marine. Die Ausbildung war eng mit der praktischen Seefahrt verknüpft, weshalb die Standorte stets Zugang zu größeren Hafenanlagen und Übungsgebieten in der Ostsee boten.
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| Standort und Entwicklung: || colspan="3" | Die Schule war eng mit dem Standort Gotenhafen (Gdingen) verbunden, wo sie ab 1940 in großem Umfang betrieben wurde. Ursprünglich aus der Navigationsschule hervorgegangen, wurde sie aufgrund des enormen Bedarfs an Navigationsspezialisten während des Krieges massiv ausgebaut.
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| Zielgruppe: || colspan="3" | Die Lehrgänge richteten sich an Unteroffiziere der Laufbahn I (Seedienst), die sich zum Steuermann qualifizieren wollten. Ein erfolgreicher Abschluss war Voraussetzung für die Beförderung zum Obersteuermann, der an Bord oft die Funktion des Navigations-Offiziers (NO) auf kleineren Einheiten oder U-Booten übernahm.
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| Ausbildungsgruppen: || colspan="3" | Die Schule war in verschiedene Lehrgruppen unterteilt, die sich mit astronomischer Navigation, terrestrischer Kursberechnung, Kartenkunde und dem Umgang mit nautischen Präzisionsinstrumenten befassten.
 
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! colspan="3" | Zielgruppe und Laufbahn
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! colspan="3" | Gliederung der Lehrinhalte
 
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| colspan="3" | Die Lehrgänge richteten sich an bewährte Obermatrosen oder Maate der seemännischen Laufbahn, die die Absicht hatten, Berufssoldat zu werden und in das Korps der Deckoffiziere aufzusteigen. Nach erfolgreichem Abschluss der Schule erhielten die Absolventen den Dienstgrad Steuermann und konnten bei weiterer Bewährung zum Obersteuermann befördert werden. Für die Unterseeboot-Waffe waren diese Männer unentbehrlich, da sie oft als einzige Navigationsspezialisten neben dem Kommandanten an Bord fungierten.
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| Astronomische Navigation: || colspan="3" | Berechnung des Standortes mittels Sextanten durch Messung von Gestirnshöhen (Sonne, Mond, Sterne). Dies war besonders für U-Boote im freien Atlantik bei Funkstille lebensnotwendig.
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| Instrumentenkunde: || colspan="3" | Ausbildung am Kreiselkompass, dem Magnetkompass sowie an Echoloten und Loggen. Ein Schwerpunkt lag auf der Fehlerberechnung und Kompensation der Kompasse (Deviation).
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| Funkmesstechnik und Funknavigation: || colspan="3" | Mit fortschreitender Kriegsdauer wurden Lehrgänge für Funkmessbeobachtungsgeräte (FuMB) und die Funknavigation (z.B. Consol-Verfahren) integriert, um die Standtermittlung auch bei schlechter Sicht zu ermöglichen.
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| Seekarten- und Handbuchwesen: || colspan="3" | Arbeit mit Seekarten, Leuchtfeuerverzeichnissen und den Nautischen Jahrbüchern. Die Schüler lernten das präzise Einzeichnen von Koppelkursen und die Berücksichtigung von Strömung und Abdrift.
 
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! colspan="3" | Lehrgangsinhalte und Anforderungen
 
 
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| colspan="3" | Die Ausbildung an der Steuermannsschule war mathematisch und technisch äußerst anspruchsvoll. Die Schüler lernten die astronomische Navigation (Standortbestimmung durch Gestirne), die terrestrische Navigation (Peilen von Küstenpunkten) und die Funknavigation. Ein weiterer Schwerpunkt war die Meteorologie, um Wetterlagen auf hoher See eigenständig beurteilen zu können. Zudem wurden sie in Schiffbau, Seerecht und der Handhabung aller nautischen Instrumente wie Sextanten, Chronometern und Kreiselkompassen geschult. In der Unterseeboot-Waffe mussten sie diese Fähigkeiten oft unter extremen Bedingungen, wie etwa in stürmischer See auf einer schwankenden Brücke, anwenden.
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
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! colspan="3" | Rolle an Bord eines Unterseebootes
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| Der "Schatten" des Kommandanten: || colspan="3" | Auf einem U-Boot war der Obersteuermann der wichtigste Berater des Kommandanten in allen navigatorischen Fragen. Er war verantwortlich für die Koppelrechnung während der Tauchfahrten und die präzise Standortbestimmung für Torpedorangriffe.
 
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| Spezialausbildung für U-Boote: || colspan="3" | Viele Absolventen der Steuermannsschule besuchten nach dem Fachlehrgang die U-Boot-Schule, um die Besonderheiten der Navigation unter Wasser (Trimmung, Horchortung als Navigationshilfe) zu erlernen.
 
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| colspan="3" | Auf einem Unterseeboot war der Absolvent der Steuermannsschule meist der Navigations-Obersteuermann. Er war verantwortlich für die Koppelnavigation, das Führen der Seekarten und die Führung des Logbuchs. Wie bereits in Ihrer vorherigen Recherche festgestellt, übernahm er auf vielen Booten zusätzlich die Funktion des Dritten Wachoffiziers. Er war somit der fachliche Berater des Kommandanten in allen nautischen Belangen und trug im Wachdienst die volle Verantwortung für das Boot.
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| Personalreserve: || colspan="3" | Erfahrene Obersteuermänner der U-Boot-Waffe wurden oft als "Steuermann mit Offiziersstellenbesetzung" eingesetzt und bildeten das Rückgrat der nautischen Sicherheit auf den Frontbooten.
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
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! colspan="3" | Literaturverweise
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| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Navigations- und Steuermannsschulen. Beinhaltet Lehrgangspläne, Prüfungsvorschriften und personelle Zuweisungen.
 
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| BArch RM 7 / 843 ff. || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung (Skl) zur Stellenbesetzung und zum Bedarf an nautischem Fachpersonal.
 
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| Marine-Dienstvorschrift Nummer 151 || colspan="3" | Diese Vorschrift regelt die Ausbildung und die Laufbahnbestimmungen für die Deckoffiziere der nautischen Laufbahn.
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die Absolvierung der Steuermannslehrgänge im Rahmen der Unteroffizierslaufbahnen.
 
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| Marine-Dienstvorschrift Nummer 320 || colspan="3" | Die Taktischen Anweisungen für Unterseeboote beschreiben die Zusammenarbeit zwischen dem Kommandanten und dem Steuermann bei der Navigation im Einsatzgebiet.
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| Bundesarchiv-Militärarchiv Bestand RM 20 || colspan="3" | Enthält die Lehrgangsverzeichnisse und Ausbildungsrichtlinien der Steuermannsschule Gotenhafen für die Jahre 1939 bis 1945.
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Ausbildungswesen und den Fachschulen).
 
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| Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945" (Informationen zur Rolle des Navigationspersonals an Bord).
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| Dienstvorschrift M.Dv. Nr. 31 || colspan="3" | "Lehrbuch der Navigation für die Kriegsmarine" (Das offizielle Standardwerk der Steuermannsschule).
 
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| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
 
 
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Version vom 15. Februar 2026, 17:19 Uhr

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Ausbildung Steuermannsschule der Kriegsmarine
Die Steuermannsschule war die zentrale fachliche Ausbildungseinrichtung für das Navigationspersonal der Kriegsmarine. Sie diente der Schulung von Steuermannsmaaten und Obersteuermännern, die als nautische Experten für die sichere Kursführung der Schiffe und U-Boote verantwortlich waren.
Historischer Kontext & Organisation
Standort und Entwicklung: Die Schule war eng mit dem Standort Gotenhafen (Gdingen) verbunden, wo sie ab 1940 in großem Umfang betrieben wurde. Ursprünglich aus der Navigationsschule hervorgegangen, wurde sie aufgrund des enormen Bedarfs an Navigationsspezialisten während des Krieges massiv ausgebaut.
Zielgruppe: Die Lehrgänge richteten sich an Unteroffiziere der Laufbahn I (Seedienst), die sich zum Steuermann qualifizieren wollten. Ein erfolgreicher Abschluss war Voraussetzung für die Beförderung zum Obersteuermann, der an Bord oft die Funktion des Navigations-Offiziers (NO) auf kleineren Einheiten oder U-Booten übernahm.
Ausbildungsgruppen: Die Schule war in verschiedene Lehrgruppen unterteilt, die sich mit astronomischer Navigation, terrestrischer Kursberechnung, Kartenkunde und dem Umgang mit nautischen Präzisionsinstrumenten befassten.
Gliederung der Lehrinhalte
Astronomische Navigation: Berechnung des Standortes mittels Sextanten durch Messung von Gestirnshöhen (Sonne, Mond, Sterne). Dies war besonders für U-Boote im freien Atlantik bei Funkstille lebensnotwendig.
Instrumentenkunde: Ausbildung am Kreiselkompass, dem Magnetkompass sowie an Echoloten und Loggen. Ein Schwerpunkt lag auf der Fehlerberechnung und Kompensation der Kompasse (Deviation).
Funkmesstechnik und Funknavigation: Mit fortschreitender Kriegsdauer wurden Lehrgänge für Funkmessbeobachtungsgeräte (FuMB) und die Funknavigation (z.B. Consol-Verfahren) integriert, um die Standtermittlung auch bei schlechter Sicht zu ermöglichen.
Seekarten- und Handbuchwesen: Arbeit mit Seekarten, Leuchtfeuerverzeichnissen und den Nautischen Jahrbüchern. Die Schüler lernten das präzise Einzeichnen von Koppelkursen und die Berücksichtigung von Strömung und Abdrift.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Der "Schatten" des Kommandanten: Auf einem U-Boot war der Obersteuermann der wichtigste Berater des Kommandanten in allen navigatorischen Fragen. Er war verantwortlich für die Koppelrechnung während der Tauchfahrten und die präzise Standortbestimmung für Torpedorangriffe.
Spezialausbildung für U-Boote: Viele Absolventen der Steuermannsschule besuchten nach dem Fachlehrgang die U-Boot-Schule, um die Besonderheiten der Navigation unter Wasser (Trimmung, Horchortung als Navigationshilfe) zu erlernen.
Personalreserve: Erfahrene Obersteuermänner der U-Boot-Waffe wurden oft als "Steuermann mit Offiziersstellenbesetzung" eingesetzt und bildeten das Rückgrat der nautischen Sicherheit auf den Frontbooten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Navigations- und Steuermannsschulen. Beinhaltet Lehrgangspläne, Prüfungsvorschriften und personelle Zuweisungen.
BArch RM 7 / 843 ff. Unterlagen der Seekriegsleitung (Skl) zur Stellenbesetzung und zum Bedarf an nautischem Fachpersonal.
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die Absolvierung der Steuermannslehrgänge im Rahmen der Unteroffizierslaufbahnen.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Kapitel zum Ausbildungswesen und den Fachschulen).
Busch, Rainer / Röll, Hans-Joachim "Der U-Boot-Krieg 1939-1945" (Informationen zur Rolle des Navigationspersonals an Bord).
Dienstvorschrift M.Dv. Nr. 31 "Lehrbuch der Navigation für die Kriegsmarine" (Das offizielle Standardwerk der Steuermannsschule).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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