Aktionen

Nachrichtenlehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
Zeile 1: Zeile 1:
 
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
 
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |  
+
| || colspan="3" |
 
+
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed;"
{| class="wikitable"
 
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt:
+
! Datenblatt
 
! '''Nachrichtenlehrgang'''
 
! '''Nachrichtenlehrgang'''
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der Nachrichtenlehrgang für Unterseeboot-Offiziere (häufig als U-Nachrichtenlehrgang bezeichnet) bildete den Abschluss der fachspezifischen Wachoffiziersausbildung. Während die Mannschaften die technische Bedienung lernten, stand für die Offiziere die operative Leitung des Nachrichtendienstes im Vordergrund.  
+
| colspan="3" | Der allgemeine Nachrichtenlehrgang vermittelte die theoretischen und praktischen Grundlagen der Kommunikation auf See und an Land. Er umfasste sowohl die akustische und optische Signalgebung als auch die moderne Funktechnik. Das Ziel war die Befähigung des Personals zur fehlerfreien Aufnahme und Weitergabe von Meldungen unter Einhaltung strenger Sicherheits- und Verschlüsselungsvorschriften. Er war die Basisschulung für alle späteren Spezialisierungen im Nachrichtenwesen.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Zeitlicher Ablauf und Einordnung
+
! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der Lehrgang fand im Anschluss an den Torpedolehrgang und den Sperrwaffenlehrgang statt. Ein typisches Beispiel für den Zeitplan eines Offiziers zeigt die Rückversetzung von der Sperrschule in Kiel-Wik zur Marineschule Flensburg-Mürwik am 24.11.1940, um dort den abschließenden Nachrichtenlehrgang zu absolvieren. Die Dauer war auf die Vermittlung der führungsspezifischen Inhalte konzentriert und bildete das letzte Modul vor der Versetzung zur Baubelehrung oder direkt auf ein Frontboot.  
+
| colspan="3" | Ausbildungsinhalte und Standorte: Die Lehrgänge wurden an den Marinenachrichtenschulen (z. B. in Mürwik, Aurich oder Flensburg) durchgeführt. Zu den Ausbildungsinhalten gehörten das Erlernen des Morsealphabets, der Umgang mit Funkgeräten, das Flaggen- und Winkeralphabet sowie das Lichtmorsen. Ein wesentlicher Bestandteil war die Einführung in die Geheimhaltung und die Handhabung der Schlüsselmittel (z. B. Enigma).
 
|-
 
|-
| ||
+
| colspan="3" | Zielgruppen: Der Lehrgang richtete sich je nach Ausprägung an Mannschaften der Nachrichtenlaufbahn, Unteroffiziersanwärter oder Offiziere. Während des Krieges wurden die Lehrgänge spezialisiert: Während Mannschaften primär am Gerät ausgebildet wurden, lag der Schwerpunkt bei Offizieren auf der Leitung von Nachrichtenstellen und der taktischen Auswertung von Funksprüchen.
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Spezifische Lehrinhalte für Offiziere
+
| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In den letzten Kriegswochen 1945 war das Nachrichtenpersonal entscheidend für die Aufrechterhaltung der Befehlskette zwischen den verbliebenen Festungsbereichen. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurden Nachrichtenspezialisten oft von den Alliierten zur Aufrechterhaltung des notwendigen Funkverkehrs und zur Offenlegung der deutschen Verschlüsselungstechniken interniert und befragt.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Im Gegensatz zu den Funkern lag der Schwerpunkt für Offiziere auf der Kryptografie und der taktischen Funkführung. Ein zentraler Bestandteil war die Enigma-Schlüsselmaschine, insbesondere die Handhabung der geheimen Schlüsselunterlagen und die tägliche Schlüsseleinstellung. Die Offiziere wurden darin geschult, die Integrität der Verschlüsselung zu überwachen und sicherzustellen, dass keine Verfahrensfehler die Ortung des Bootes durch den Gegner ermöglichten. Ein weiterer Kernpunkt war das Kurzsignalverfahren und die Nutzung der Kurzsignalhefte. Die Offiziere lernten, taktische Lagemeldungen (wie Position, Kurs und Geschwindigkeit des Gegners) in minimaler Sendezeit abzusetzen, um die Gefahr durch die alliierte Funkpeilung (High Frequency Direction Finding) zu verringern.
+
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Verantwortung als Nachrichtenoffizier
+
| colspan="3" | Lebensader Funkverbindung: Für U-Boote war das im Nachrichtenlehrgang vermittelte Wissen über Funkdisziplin und Verschlüsselung überlebenswichtig. Nur durch perfekt verschlüsselte Kurzsignale konnte der Kontakt zum Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.) gehalten werden, ohne dem Gegner die Peilung der eigenen Position zu ermöglichen.
 
|-
 
|-
| ||
+
| colspan="3" | Zusammenarbeit im Rudel: Die im Lehrgang geschulten Verfahren zur Signalübermittlung (auch optisch über kurze Distanz) waren die Voraussetzung für die taktische Koordination mehrerer U-Boote bei Angriffen auf Geleitzüge.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | An Bord eines Unterseebootes übernahm meist der Dritte Wachoffizier die Rolle des Nachrichtenoffiziers. Er war der direkte Vorgesetzte der Funkmeister und trug die Verantwortung für die vorschriftsmäßige Durchführung des Funk- und Horchdienstes. Er musste die eingehenden Funksprüche des Befehlshabers der Unterseeboote entschlüsseln und dem Kommandanten vorlegen. Im Falle einer drohenden Kaperung des Bootes war der Nachrichtenoffizier persönlich dafür verantwortlich, die Schlüsselmittel und die Enigma-Maschine unbrauchbar zu machen oder zu vernichten.
+
| colspan="3" | Spezialisierung zum Funkgast: Der allgemeine Nachrichtenlehrgang war die Voraussetzung für die spätere Fachausbildung zum U-Funkgast oder U-Funkmeister, die an Bord für die Wartung und Bedienung der hochempfindlichen Sende- und Empfangsanlagen verantwortlich waren.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||
+
! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Literaturverweise
+
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
| B.Arch. RM 20 / 895 || colspan="3" | Dienstvorschriften für das Nachrichtenwesen der Kriegsmarine (Enthält Lehrgangsinhalte und Verfahrensvorschriften).
 
|-
 
|-
| Marine-Dienstvorschrift Nummer 415 || colspan="3" | Das Lehrbuch für den Nachrichtendienst der Kriegsmarine enthält die taktischen Anweisungen, die speziell für die Offiziersausbildung relevant waren.
+
| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marinenachrichtenschulen (Dokumentiert die Organisation der Lehrgänge und Absolventenlisten).
 
|-
 
|-
| Marine-Dienstvorschrift Nummer 32/1 || colspan="3" | (Signalbuch der Kriegsmarine) Dieses Dokument war die Grundlage für die Signalübermittlung und Verschlüsselung, deren Anwendung im Offizierslehrgang intensiv geprüft wurde.
+
| B.Arch. RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichtenwesen (Belegt die taktische Bedeutung der Nachrichtenausbildung).
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv-Militärarchiv Bestand RM 20 || colspan="3" | Hier sind die spezifischen Ausbildungspläne der Marinenachrichtenschule Flensburg-Mürwik für die Offizierjahrgänge der Kriegsjahre hinterlegt
+
| ||
 
|-
 
|-
| ||
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" |
+
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band II, Kapitel über das Nachrichten- und Signalwesen).
 
|-
 
|-
| ||
+
| Giessler, Helmuth || colspan="3" | Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Detaillierte Darstellung der technischen Ausbildung).
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Details zur fachspezifischen Ausbildung der Funker).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
+
! colspan="3" |
 +
|-
 +
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
|-
 
|-
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 12. Februar 2026, 18:12 Uhr

Datenblatt Nachrichtenlehrgang
Der allgemeine Nachrichtenlehrgang vermittelte die theoretischen und praktischen Grundlagen der Kommunikation auf See und an Land. Er umfasste sowohl die akustische und optische Signalgebung als auch die moderne Funktechnik. Das Ziel war die Befähigung des Personals zur fehlerfreien Aufnahme und Weitergabe von Meldungen unter Einhaltung strenger Sicherheits- und Verschlüsselungsvorschriften. Er war die Basisschulung für alle späteren Spezialisierungen im Nachrichtenwesen.
Historischer Kontext & Organisation
Ausbildungsinhalte und Standorte: Die Lehrgänge wurden an den Marinenachrichtenschulen (z. B. in Mürwik, Aurich oder Flensburg) durchgeführt. Zu den Ausbildungsinhalten gehörten das Erlernen des Morsealphabets, der Umgang mit Funkgeräten, das Flaggen- und Winkeralphabet sowie das Lichtmorsen. Ein wesentlicher Bestandteil war die Einführung in die Geheimhaltung und die Handhabung der Schlüsselmittel (z. B. Enigma).
Zielgruppen: Der Lehrgang richtete sich je nach Ausprägung an Mannschaften der Nachrichtenlaufbahn, Unteroffiziersanwärter oder Offiziere. Während des Krieges wurden die Lehrgänge spezialisiert: Während Mannschaften primär am Gerät ausgebildet wurden, lag der Schwerpunkt bei Offizieren auf der Leitung von Nachrichtenstellen und der taktischen Auswertung von Funksprüchen.
Das Schicksal bei Kriegsende: In den letzten Kriegswochen 1945 war das Nachrichtenpersonal entscheidend für die Aufrechterhaltung der Befehlskette zwischen den verbliebenen Festungsbereichen. Nach der Kapitulation am 08.05.1945 wurden Nachrichtenspezialisten oft von den Alliierten zur Aufrechterhaltung des notwendigen Funkverkehrs und zur Offenlegung der deutschen Verschlüsselungstechniken interniert und befragt.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Lebensader Funkverbindung: Für U-Boote war das im Nachrichtenlehrgang vermittelte Wissen über Funkdisziplin und Verschlüsselung überlebenswichtig. Nur durch perfekt verschlüsselte Kurzsignale konnte der Kontakt zum Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.) gehalten werden, ohne dem Gegner die Peilung der eigenen Position zu ermöglichen.
Zusammenarbeit im Rudel: Die im Lehrgang geschulten Verfahren zur Signalübermittlung (auch optisch über kurze Distanz) waren die Voraussetzung für die taktische Koordination mehrerer U-Boote bei Angriffen auf Geleitzüge.
Spezialisierung zum Funkgast: Der allgemeine Nachrichtenlehrgang war die Voraussetzung für die spätere Fachausbildung zum U-Funkgast oder U-Funkmeister, die an Bord für die Wartung und Bedienung der hochempfindlichen Sende- und Empfangsanlagen verantwortlich waren.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
B.Arch. RM 20 / 895 Dienstvorschriften für das Nachrichtenwesen der Kriegsmarine (Enthält Lehrgangsinhalte und Verfahrensvorschriften).
B.Arch. RM 123 Akten der Marinenachrichtenschulen (Dokumentiert die Organisation der Lehrgänge und Absolventenlisten).
B.Arch. RM 7 / 2331 Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichtenwesen (Belegt die taktische Bedeutung der Nachrichtenausbildung).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band II, Kapitel über das Nachrichten- und Signalwesen).
Giessler, Helmuth Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Detaillierte Darstellung der technischen Ausbildung).
Mulligan, Timothy P. Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Details zur fachspezifischen Ausbildung der Funker).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132